Ein Schmerz zuckte durch Mark und Bein. Wer zum Teufel klingelte an ihrer Tür? Sie hatte alle Kontakte schon vor Urzeiten abgebrochen und die Familie liess sich auch nur noch selten blicken. Am Anfang war sie oft sehr Einsam. Doch mit der Zeit gewöhnte sie sich daran und empfand Gesellschaft als äussert Kräftezehrend. Es klingelte ein zweites Mal. Wie schon oft zuvor tat sie so als ob niemand zu Hause wäre. «Kommst du mit wandern?» fragte eine freundlich helle Stimme. Sie zitterte am ganzen Körper als die Stimme ein zweites Mal fragte: «Kommst du mit wandern?» Langsam ging sie zur Tür und lauschte. Doch sie hörte niemanden. Es war wie damals, als sie noch in ihrem Hamsterrad gefangen war. Jemand beobachtete sie aber sie fand nie heraus, wer oder was es war. Jetzt hatte sie wieder dasselbe Gefühl. Sie guckte durch das Guckloch der Türe doch auch da sah sie niemanden. Die Stimme fragte ein drittes Mal: «Kommst du mit wandern?» Immer noch dieselbe Tonlage, nicht verärgert sondern immer noch freundlich dieselben vier Worte als Frage formuliert. Auf einmal wurde es hell in ihrer Wohnung. Dabei hatte sie doch nur bei einem Fenster die Jalousie ein klein wenig hochgezogen. Kurz kam ihr der Gedanke: Ach wie schön wäre es, wenn ich wirklich wandern gehen könnte! Doch dann kam der stechende Schmerz zurück der sie daran erinnerte, dass sie nicht einmal den Haushalt erledigen konnte wie sollte sie denn so wandern gehen? In dem Moment wurde sie ohnmächtig.
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